Ägyptische Atheisten fordern klares Bekenntnis zur Religionsfreiheit in neuer Verfassung

verfassungskomiteeÄgypten: Repräsentanten der Atheisten haben zur Streichung von Artikel 2 der Verfassung aufgerufen. Stattdessen sollte die neue Verfassung die Freiheit der Religionswahl gemäß internationaler Standards festschreiben.

Der Artikel 2 definiert den Islam als Staatsreligion Ägyptens und die Prinzipien der Scharia als (Haupt-) Quelle der weiteren Gesetzgebung. Er war 1971 unter Anwar al-Sadat eingeführt worden und dient seitdem zur Legitimation des Staates gegenüber religiösen Kräften sowie zur Begründung der Geltung islamischer Gesetze in einzelnen Rechtsbereichen.

Die Atheisten fordern weiter eine Gleichstellung der Geschlechter und eine freie sexuelle Selbstbestimmung, zu der auch die Anerkennung von Homo- und Transsexualität gezählt wird.

Ein Sprecher der Gruppe, Ayman Ramzy Nakhla, verwies in einem Statement gegenüber Egypt Independent auf ein Schreiben an das Verfassungskomitee, das Justizministerium und den Präsidenten, welches sämtliche Forderungen enthalte.

Aus dieser atheistischen Perspektive sollte der Staat als moralische Einrichtung rein säkular ausgerichtet sein und Religion gemäß der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte handhaben.
Somit würden nicht nur alle religiösen Zusammenschlüsse die gleichen Rechte genießen können wie die Angehörigen der drei „Buchreligionen“ gemäß islamischen Rechtsverständnisses, sondern darüber hinaus aus jeglicher Unterordnung unter islamische Interpretationen befreit werden.

Die Gleichstellung der Geschlechter impliziere nach Nakhla, dass eine Beziehung zwischen Mann und Frau ein beiderseitiges Einverständnis voraussetze.
Aus der Kombination der beiden Hauptforderungen von sexuellen und religiösen Freiheiten ergibt sich in Nakhlas Statement auch eine Anerkennung von Heiraten über die Barrieren unterschiedlicher religiöser Glaubensgemeinschaften hinweg.

Widerstreitende Positionen innerhalb des Verfassungskomitees

Dem Statement der Atheisten war eine Forderung des Sprechers des 50-köpfigen Verfassungskomitees Muhammad Salmawy auf einer Pressekonferenz am vergangenen Montag vorausgegangen, in welchem er sich für eine grundsätzliche Freiheit der Religionsausübung aussprach.

Salmawy wandte sich damit gegen vorangegangene Bestrebungen der Salafisten, deren inzwischen zurückgetretener Vertreter im Verfassungskomitee, Bassam al-Zarqa, eine Umformulierung von Artikel 2 mit einem noch prägnanteren Bekenntnis zur Scharia in der Verfassung gefordert hatte.

Die salafistische Nur-Partei schmiegt sich im Rahmen des Verfassungsprozesses derzeit eng an die Autorität der Azhar an, um unter den gegenwärtig aus ihrer Sicht eher ungünstigen Bedingungen doch noch eine Rettung des Islam als moralisches und juristisches Fundament in der zukünftigen Verfassung zu erreichen.

Demgegenüber verwies Sprecher Salmawy auf die Bedeutung der Religionsfreiheit im internationalen Kontext:

„Es ist sehr problematisch, von nichtmuslimischen Ländern zu verlangen, den dort lebenden Muslimen Freiheiten zu gewähren, während muslimische Staaten davor zurückschrecken, dasselbe zu tun gegenüber Nichtmuslimen oder Menschen, die nicht an eine der drei himmlischen Religionen Islam, Christentum und Judentum glauben.“

Quellen: Egypt Independent, Ahram

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