Al-Qaida ruft Ägypter zum Kampf gegen die Armee auf

Al-Qaida ISILEiner der militanten Zweige der Terrororganisation al-Qaida hat alle Ägypter zum Widerstand gegen deren Armee aufgerufen. Nach der Ablösung des islamistischen Präsidenten Muhammad Mursi durch das Militär sei die Zeit gekommen, die nötigen Schlüsse aus der gescheiterten Demokratisierung in Ägypten zu ziehen und zu den Waffen zu greifen. Die Muslimbrüder sollten der „Religion der Demokratie“ abschwören und ihre Fehler eingestehen.

Der Aufruf stammt von der sunnitischen Gruppe Islamischer Staat in Irak und der Levante (ISIL/Daulat al-Islamiyya fil-Iraq wal-Scham), eine der beiden mit Al-Qaida verbundenen Organisationen, welche derzeit in Syrien an der Seite der Aufständischen kämpfen. In einem aktuellen Statement bezeichnete ihr Sprecher Abu Muhammad al-Adnani al-Schamy den Kampf gegen die ägyptische Armee als gerecht und notwendig, da die Armee die Einführung der islamischen Gesetze blockiere.

Al-Schamy kritisiert die Muslimbruderschaft für ihre falsche Hoffnung auf den demokratischen Weg, der ihnen offenbar mehr geschadet als genutzt hat. Darüber hinaus verurteilte er die Muslimbrüder als pseudoislamische Partei, der mehr an der Machtergreifung gelegen sei als an wahren islamistischen Zielen. Bereits 2012 hatte die ISIL im Zuge des „Arabischen Frühlings“ die dschihadistische Saison in Ägypten für eröffnet erklärt.

Hintergrund: Sinai

Brisant ist die Situation derzeit auf der Sinai-Halbinsel. Hier häufen sich die Angriffe militanter islamistischer Gruppen auf die ägyptischen Sicherheitskräfte, welche ihrerseits bestrebt sind, die Kontrolle über das Territorium zurückzugewinnen. Nach Angaben des Militärs spielen auch al-Qaida nahestehende Kräfte in dieser Auseinandersetzung eine Rolle.

Seit dem Friedensvertrag mit Israel von 1979 gilt der Sinai als entmilitarisierte Zone. Erst 2011 gestattete Israel der ägyptischen Armee eine Stationierung begrenzter Truppenkontingente, welche Ägypten schrittweise aufgestockt hat und seitdem gegen militante Kräfte vorgeht. Vor allem in den letzten Wochen wurden diese Aktivitäten forciert.

Hierbei ist die Armee auch auf die Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung angewiesen. Die zumeist in Stämmen organisierten Einwohner sind historisch bedingt eher weniger mit Ägypten verbunden und hatten in der Vergangenheit auch nicht viel von der Zentralregierung in Kairo zu erwarten, die sie bei der Vergabe lukrativer Posten in der Industrie, im Militär, im Tourismus und der Verwaltung zugunsten zugewanderter Arbeitskräfte vernachlässigte. Insofern könnte es sich für den Erfolg der Militäroperationen auf dem Sinai als entscheidend erweisen, ob es der neuen Regierung Ägyptens gelingt, der eingesessenen Bevölkerung eine überzeugende integrative Perspektive zu bieten.

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