Die schrägsten Fatwas 2014

fatwaÄgypten: Die Tageszeitung Al-Masry Al-Youm hat eine Liste der merkwürdigsten Rechtsgutachten (Fatwas) zusammengestellt, die im letzten Jahr von muslimischen Geistlichen veröffentlicht wurden.

Den ersten Platz belegt die Fatwa von Ussama al-Quosi, die es einem Muslim erlaubt, heimlich eine fremde, ebenfalls muslimische Frau nackt zu sehen. Voraussetzung ist nur, dass er glaubhaft versichern kann, die Frau später mit hoher Wahrscheinlichkeit heiraten zu wollen. Um ihm die Entscheidung schmackhaft zu machen, sei ein kurzer Blick durch den Türspalt erlaubt, während die Frau badet. Diese Vorgabe ist gewissermaßen skandalös, da sich eine muslimische Frau normalerweise solchen Blicken entziehen muss. Andererseits ist dieser Trick in der islamischen Rechtsgeschichte kein Novum.

Auf den zweiten Rang landete die Entscheidung des jordanischen Geistlichen Yassin al-Aglouni, welche die Prostitution syrischer Flüchtlinge legalisierte. Seine Fatwa erlaubt es vermögenden muslimischen Männern, notleidende syrische Frauen aufzunehmen und dafür kostenlosen Geschlechtsverkehr zu verlangen.

Von politischer Tragweite war ein Gutachten des Gelehrten al-Qaradawi, das die Teilnahme an der letzten Präsidentschaftswahl in Ägypten verbot, welche schließlich die Führungsrolle von Ex-General Abd al-Fattah al-Sisi bestätigte. Yussuf al-Qaradawy gilt als Verbündeter der Muslimbruderschaft, er lebt derzeit im Asyl in Katar.

Eine weitere politische Fatwa stammt aus der Feder des salafistischen Gelehrten Yasser al-Borhami, welche die Lüge unter bestimmten Umständen erlaubt. So war es bei der letzten Abstimmung über die Annahme der Verfassung Ägyptens zulässig, dass eine Frau ihren Mann belügt, um für die Annahme der Verfassung stimmen zu können. Die Salafisten hatten nach dem Sturz Muhammad Mursis die Seiten gewechselt und fortan den Weg des Militärs unterstützt.

Nicht zu vergessen ist die Fatwa der obersten Religionsbehörde der Vereinigten Arabischen Emirate, die es Menschen untersagt, auf dem Mars zu wohnen. Den Hintergrund bildet ein niederländisches Forschungsprojekt für eine Marskolonie unter dem Titel „Mars One“, die ab dem Jahr 2025 entstehen soll. Die Behörde fürchtete, dass sich Straftäter der Verfolgung entziehen könnten und begründete ihre Entscheidung mit dem lebensgefährdenden Risiko, welches eine Reise zum Mars impliziert.

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