Tod des italienischen Forschers Giulio Regeni noch immer nicht aufgeklärt

Giulio RegeniÄgypten – Vor seinem Tod war Giulio Regeni bis zu sieben Tage lang verhört und gefoltert worden. Das haben ägyptische Gerichtsmediziner bestätigt, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag meldete. Der 28-jährige Italiener hielt sich zu Forschungszwecken im Rahmen seiner Doktorarbeit in Kairo auf. Am 25. Januar 2016, dem fünften Jahrestag der „Revolution“, war er verschwunden.

Neun Tage später wurde seine Leiche in einem Graben an der Autobahn zwischen Kairo und Alexandria entdeckt. Nach der Überstellung der Leiche an die italienischen Behörden ergab eine Untersuchung klare Anzeichen von Folter: ausgerissene Nägel, Spuren von Verberennungen, gebrochene Rippen und Gehirnblutung.

Die Todesumstände sind bis heute nicht geklärt. Die italienische Regierung forderte eine Umtersuchung unter Beteiligung eigener Experten. Nach erster Darstellung der ägyptischen Polizei sei der Forscher bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Ägyptische Medien suchten die Schuld unterdessen bei radikalen Islamisten, die mit einer solchen Aktion das Ansehen des Staates schädigen wollten. Eine Beteiligung des Staates am Mord an Regeni wurde zurückgewiesen. Nach Angaben des Innenministeriums gebe es in Ägypten keine Folter. Regeni sei stattdessen einer persönlichen Racheaktion oder der Handlung von Kriminellen zum Opfer gefallen. – Somit liegen drei Darstellungen vor, die in die verschiedensten Richtungen weisen.

Das Ergebnis der Autopsie, die vor der Überstellung der Leiche an Italien durchgeführt worden war, steht jetzt fest, so Reuters mit Berufung auf anonyme Quellen. Der Leiter der ägyptischen Gerichtsmedizin, Hisham Abdel Hamid, habe demnach vergangene Woche seinen Bericht der Staatsanwaltschaft vorgelegt. Die Darstellung von Reuters wurde inzwischen durch das ägyptische Justizministerium zurückgewiesen. Hesham Abdel Hamid ließ sein Dementi am Mittwoch folgen.

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