Untergrund-Organisation spezialisiert sich auf Rache an Polizei-Offizieren

Mordanschlag auf Polizeioffizier (Foto: Al-Masry al-Youm)In Ägypten ist eine neue Untergrundorganisation in Erscheinung getreten, die sich nach eigenen Angaben auf Morde an Staatsdienern konzentriert – und zwar solchen, die im Verdacht stehen, seit dem 25. Januar 2011 politische Gefangene gefoltert oder getötet zu haben.

Das erste Opfer der sich als „Exekutions-Brigade“ bezeichnenden Gruppe sei der Chefermittler des Polizeihauptquartiers von Matareya, Oberst Wael Tahun, welcher am Dienstag in einem Auto von zwei Maskierten erschossen wurde. Zu dem Anschlag bekannte sich die Gruppe am Mittwoch auf ihrer Facebook-Seite, dort kündigte sie auch weitere Aktionen an.

Folter in Gefängnissen als reales Problem

Die Tat wurde als Vergeltung für den vermeintlichen Mord an Karim Hamdy bezeichnet. Der Anwalt war im Februar tot in einer Zelle in der Matareyaer Polizeistation aufgefunden worden.

Der Polizeioberst Wael Tahun ist bei den Bewohnern des Kairoer Vorstadtbezirks Matareya berüchtigt für zahllose gewalttätige Ausschweifungen gegen Demonstranten in Polizeigewahrsam. So soll er für den Tod etlicher Häftlinge in der Zeit des Arabischen Frühlings verantwortlich sein. Anwohner der Polizeistation schätzen die Zahl der seit 2011 in seinem Verantwortungsbereich Ermordeten auf 500.

Ob der Anschlag gegen Tahun tatsächlich auf das Konto der Untergrundorganisation geht und ob diese überhaupt existiert, ist nicht belegt. Der Offizier habe nach Aussagen von Anwohnern viele Feinde gehabt, sodass die Tat auch durch Kriminelle verübt worden sein kann.

In Ägypten zählt Folter zur täglichen Praxis der Sicherheitsbehörden. Doch der Staat geht in den letzten Jahren auch vermehrt gegen polizeiliche Rechtsverstöße vor, was die Zahl von Ermittlungsverfahren gegen Beamte belegt. Bisher scheint allerdings der politische Wille, die Folterung von Häftlingen abzuschaffen, noch nicht sehr ausgeprägt zu sein.

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