Verfassung Ägyptens: Festlegung zur Religionsfreiheit noch offen

Kopten (Quelle: Reuters)Ägypten: Die verfassungsgebende Versammlung hat sich für eine vollständige Streichung aller Grundsätze ausgesprochen, welche in der Vergangenheit gegen den Bau neuer nicht-islamischer Gotteshäuser eingeführt worden waren.
Andererseits steht eine Einigung hinsichtlich der Aufnahme eines Artikels noch aus, der eine voraussetzungslose Glaubensfreiheit gewährt.

Zunächst wollte das 50-köpfige Verfassungskomitee diese Freiheit in der Verfassung verankern, doch aufgrund des Einspruchs der Azhar, der höchsten Institution sunnitischen Bekenntnisses in Ägypten, wurde eine Festlegung in Artikel 47 auf kommenden Montag verschoben.

Die Azhar vertritt die Position, wonach neben dem Islam nur das Judentum und das Christentum als Religionen anerkannt werden dürfen, nicht aber beispielsweise die Bahai oder die Schia.

In Bezug auf den Bau neuer und die Renovierung bestehender Kirchen waren die christlichen Gemeinschaften bisher von einer amtlichen Genehmigung abhängig. Deshalb fordern sie schon seit Jahren eine Aufhebung dieses Quasi-Verbots.

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Angriffe vor allem gegen die christlichen Kopten erscheint es fraglich, ob ein Bau neuer Kirchen dem allgemeinen Niedergang des Christentums in Ägypten Einhalt gebieten kann. Eine Aufwertung der Religionsfreiheit und ein konsequenteres Einschreiten des Staates gegen all diejenigen Kräfte, welche jene Freiheit bekämpfen, würden das grundsätzliche Problem vermutlich effektiver lösen.

Quelle: Ahram