Verhandlungen zwischen Militärführung und Islamisten beginnen

Verhandlungen zwischen Militärführung und Islamisten beginnenNach jüngsten Berichten der ägyptischen Presse haben die Verhandlungen zwischen Militärführung und Islamisten nun begonnen. Der Oberbefehlshaber der Armee und ägyptische Verteidigungsminister, Generaloberst Abd El-Fattah El-Sisi, hat sich mit führenden Mitgliedern der wichtigsten islamistischen Gruppen und Parteien getroffen, um die gegenwärtige Krise unblutig zu beenden.

An dem Treffen nahmen unter anderem Abd El-Rahman El-Barr (Konsultativrat der Muslimbruderschaft), Ayman Abd El-Ghany (Freiheits- und Gerechtigkeitspartei, Muslimbruderschaft) und Safwat Abd El-Ghany (salafistische Partei für Aufbau und Entwicklung) teil, wie ein Armeesprecher am Samstag bestätigte.

In diesem Treffen stellten beide Seiten recht ähnliche Forderungen: Beide verlangten einen Verzicht auf Gewalt und politisches Entgegenkommen von der anderen Seite. El-Sisi beanspruchte von der Protestfraktion insbesondere eine Einstellung der Blockadehandlungen und eine Mäßigung ihrer politischen Forderungen. Mit anderen Worten: Er wies sehr wahrscheinlich die Wiederherstellung des status quo vor dem Sturz Mursis zurück und verlangt stattdessen, den politischen Fahrplan der Militärführung zu akzeptieren.

Die islamistische Allianz bestand ihrerseits auf den Verzicht der Behörden auf eine Auflösung der Protestcamps, eine Einstellung der anti-islamistischen Propaganda in staatlichen und staatsnahen Medien sowie eine Freilassung aller politischen Gefangenen, welche seit dem 3. Juli inhaftiert worden sind. Diese Formulierung scheint Mursi mitsamt der übrigen Führung der Muslimbrüder einzuschließen, welche ab 25. August eigentlich vor Gericht gestellt werden sollen.

Die Anhänger Mursis halten seit Ende Juni zwei wichtige Plätze der Hauptstadt besetzt und bestehen noch immer auf ein Wiedereinsetzung ihres gewählten Präsidenten. Inzwischen sind bei Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften mehr als 200 Menschen zu Tode gekommen, hunderte wurden verletzt.

Die Verhandlungen zwischen Militärführung und Islamisten sollen inoffiziell vor einigen Tagen eingesetzt haben. Die aktuelle Meldung schließt nun zum ersten Mal auch Vertreter der Muslimbrüder ein, welche bis dato noch niemals den Beginn von Gesprächen mit der Staatsführung bestätigt hatten.

Inzwischen hat sich der neue Vizepräsident der Übergangsregierung, Mohamed El-Baradei, zuständig für die Außenpolitik, als Verhandlungsführer angeboten, wie er in einem Interview mit der Washington Post am Freitag bekannt gab.

Quelle: Ahram