Wie geht es weiter in Ägypten?

Nach einem blutigen Tag in Ägypten ist noch kein Ende der Auseinandersetzungen in Sicht. Der Staat ist entschlossen, weitere Proteste unter allen Umständen zu verhindern. Die Anhänger der Muslimbruderschaft haben Feuer gefangen und widersetzen sich dem Militärputsch in immer mehr Landesteilen mit Demonstrationen und Angriffen auf staatliche Einrichtungen. Auch gegen die koptische Glaubensgemeinschaft richtet sich der Zorn, hierbei wurden mindestens 36 Kirchen angezündet.*
Nach amtlichen Angaben sind am Mittwoch 638 Demonstranten und 43 Polizisten getötet worden, die tatsächlichen Zahlen dürften noch höher sein.

Zur weiterführenden Information sollen hier zwei Zeitungsbeiträge genannt werden:
Das TAZ-Interview mit Stephan Roll (15.8.2013), welches sich mit der weiteren Entwicklung der Muslimbruderschaft auseinandersetzt. Auf die Frage, ob die Auflösung der Proteste den Muslimbrüdern schadet, antwortet der Experte der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik:

„Der Führung der Muslimbrüder kommt sie zugute. Das Vorgehen verhindert eine Diskussion innerhalb der Muslimbruderschaft, ob die Führung Fehler gemacht hat. Ein kritischer Dialog wird unterbunden.“

Eine hintergründigere Einschätzung lieferte die Sueddeutsche Zeitung am 14. August mit dem Artikel von Nagwan El Ashwal: Der unheimliche Wächter (PDF-Dokument).


* Nachtrag (18.08.2013): Es häufen sich Zweifel an dieser Schuldzuschreibung. Der deutsche Auslandskorrespondent Jürgen Stryjak liefert hierzu eine beispielhafte Gegendarstellung, welche nahelegt, dass es sich bei den Pogromen um eine koordinierte Aktion der Staatssicherheit handelte.